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Vernichtungskrieg Besprechungen: Timothy W. Ryback: Hitler’s Private Library – The Books that shaped his life, New York 2008, 278 S. Timothy Ryback hat eine
Langzeitrecherche zu einem Thema bewältigt, das schon viele bewegt hat. Was
hat der leidenschaftliche Dauerleser Adolf Hitler eigentlich tatsächlich
gelesen und was davon zur Kenntnis genommen? Er selbst behauptete
bekanntlich, „unendlich viel“ gelesen zu haben und an seinen dabei frühzeitig,
noch vor 1914 gewonnenen Grunderkenntnissen niemals etwas ändern zu müssen.
Ryback gibt die Zahl der Bände in Hitlers verschiedenen Bibliotheken in
seinen Residenzen in München, Berlin und Berchtesgaden mit etwa sechzehntausend
an. Vieles davon bekam der Diktator geschenkt, was Philipp Gassert vor
einigen Jahren eine Studie über die dabei verfassten Widmungen wert war. Anderes
erwarb Hitler und/oder er ließ es neu und kostbar binden. Heute sind die Bestände
verloren oder verstreut. Ryback reiste viel in Europa und den USA herum,
verfolgte die Spuren der Beschlagnahme und sah die Bände ein. Womit wir beim Ansatz des Autors
wären. In Anlehnung an Walter Benjamin geht Ryback davon aus, daß sich das
Leben eines Menschen in seiner Bibliothek widerspiegelt, sowohl in ihrem
Inhalt wie in ihrer Form. Wir erfahren daher viel über die Art und Weise der
Bindung einzelner Ausgaben, über Leder, Halbleder, Leinen und Papierqualität.
Dies geschieht so gründlich, daß man sich manchmal wünscht, der Autor hätte
die Bände öfter aufgeschlagen und analysiert. Auch dies hat er zwar häufig
getan und besonders nach Anstreichungen im Text gesucht, doch bleibt der
Eindruck, hier wäre inhaltlich mehr drin gewesen. Zu oft weicht Ryback auch ins
allgemein Biographische aus, so daß der Bezug zu Hitlers Lektüre verloren
geht. Thematisch hat sich Ryback der
schöngeistigen Lektüre gewidmet, die bis zu Shakespeare reichte und daneben
den Themenkreisen Rassismus, Freimaurerei und Judenfeindschaft. Nicht
erhalten oder nur zweitrangig schien ihm offenbar die Lektüre des
Zahlfetischisten Hitler zu technischen Neuerungen oder Wirtschaftsfragen zu
sein, obwohl diese Dinge für ihn erklärtermaßen und nach Schilderung von
Zeugen zentrale Bedeutung hatten. Insofern ist Rybacks Untersuchung ein
Beitrag zur intellektuellen Biographie des deutschen Diktators, der noch
ausbaufähig ist.
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